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Call Center Outsourcing vs. Inhouse: Kostenvergleich 2026

Viele Unternehmen stehen 2026 vor der Frage: Kundenservice intern aufbauen oder an einen externen Call-Center-Dienstleister auslagern? Dieser Artikel beleuchtet die Kostenaspekte beider Ansätze und gibt Entscheidern – ob im SaaS-Startup, E-Commerce-Shop oder mittelständischen Industrieunternehmen – eine Orientierungshilfe. Neben den Kosten spielen auch Faktoren wie Flexibilität, Qualität und Kontrolle eine Rolle. Im Folgenden vergleichen wir Inhouse-Kundenservice mit Outsourcing und zeigen, worauf es ankommt.

17.1.2026 5 Min Lesezeit Anil Erdogan

Inhouse-Kundenservice: Investitionen und laufende Kosten

Ein eigenes Kundenservice-Team bedeutet zunächst volle Kostenkontrolle, aber auch hohe Fixkosten. Alle Ausgaben verbleiben im Unternehmen. Typische Kostenfaktoren bei einer Inhouse-Lösung sind:

  • Personalaufwand: Gehälter der Service-Mitarbeiter durchschnittlich ≈ 30.000–35.000 € Jahresgehalt pro Agent in Deutschland, dazu kommen Sozialabgaben, Versicherungen, Urlaub und Krankheitsvertretungen.
  • Rekrutierung und Schulung: Die Einstellung neuer Agenten und deren Training verursacht Aufwand und Kosten. Gerade wenn spezialisiertes Know-how (etwa im technischen Support) gefragt ist, müssen Mitarbeiter intensiv eingearbeitet werden.
  • Infrastruktur und Ausstattung: Unternehmen müssen Arbeitsplätze bereitstellen, ob im Büro oder via Home-Office. Dazu zählen Hardware (Computer, Headsets, Telefonanlage) und Software-Lizenzen für Ticket-Systeme, CRM und Kommunikationstools. Auch eine stabile Telefonie- oder VoIP-Infrastruktur ist nötig, um Anrufe in hoher Qualität abzuwickeln.
  • Management & Qualitätssicherung: Ein Inhouse-Team erfordert interne Teamleiter oder Qualitätsmanager, die Leistung messen, Feedback geben und Prozesse optimieren. Diese Managementkapazität kostet zusätzlich.

All diese Posten summieren sich.
Beispiel: Benötigen Sie z.B. drei Vollzeitmitarbeiter für Ihr Kundenservice-Team, entstehen allein für Gehälter schnell über 100.000 € pro Jahr. Hinzu kommen Technik, Räumlichkeiten und Verwaltung. Auch Skalierung ist teuer: Möchten Sie etwa einen 24/7-Service bieten, müssten Sie Schichtbetrieb einführen und deutlich mehr Personal einstellen. Für die meisten KMU unerschwinglich.

Ein weiterer Kostenpunkt ist die Unvorhersehbarkeit: Während ruhiger Phasen sind interne Mitarbeiter eventuell nicht ausgelastet (Leerlaufzeiten), was ineffizient ist. In Spitzenzeiten dagegen (z. B. Black Friday im E-Commerce, Modell-Neueinführung in Automotive oder Jahresbeginn bei einer Buchhaltungssoftware) reicht das vorhandene Team womöglich nicht aus, was zu Überstunden oder Überforderung führt. Flexible Anpassung ist inhouse also schwierig und kostenintensiv.

Call Center Outsourcing: Service vom Spezialisten

Beim Outsourcing beauftragen Sie einen externen Call-Center-Dienstleister, der Anrufe und Anfragen für Ihr Unternehmen bearbeitet. Dieses Modell bietet mehrere Kostenvorteile:

  • Geteilte Fixkosten: Ein externer Dienstleister betreibt das Kontaktzentrum für mehrere Kunden gleichzeitig. Infrastruktur, Technik und Bürokosten werden aufgeteilt. Sie bezahlen für den Service, ohne eigene Ausgaben für Einrichtung, Ausstattung oder Softwarelizenzen tragen zu müssen.
  • Weniger Personalrisiko: Die Agenten des Call Centers sind beim Dienstleister angestellt. Das heißt, Recruiting, Training und Personalverwaltung liegen dort. Ihr Unternehmen spart den Aufwand für Einstellungsgespräche, Urlaubsvertretungen oder Krankenstände – darum kümmert sich der Anbieter.
  • Skalierbarkeit und Flexibilität: Ein großer Vorteil ist der „Dienst auf Abruf“. Bei saisonalen Spitzen oder schnellem Wachstum kann der Outsourcing-Partner zusätzliche Agenten bereitstellen, ohne dass Sie selbst neues Personal einstellen müssen.
  • Eingebaute Expertise und Technologie: Professionelle Call-Center-Unternehmen bringen erfahrene Mitarbeiter, erprobte Prozesse und modernste Technik mit. Sie nutzen z. B. omnichannel-fähige Software, Analytic-Tools und häufig auch KI-Lösungen, um die Servicequalität zu optimieren. Davon profitieren Sie als Kunde, ohne selbst investieren zu müssen. Ein gutes Outsourcing-Unternehmen stellt sicher, dass neueste Standards (etwa in Datensicherheit oder Gesprächsqualität) eingehalten werden. Gerade kleinere Firmen können so Technologien nutzen, die inhouse nicht realisierbar wären.

Kostenvergleich: Outsourcing ist in vielen Fällen günstiger als ein eigenes Call Center aufzubauen. Man spart vor allem Fixkosten und kann variable Kosten besser planen. Studien zeigen, dass diese Kosteneinsparung beträchtlich sein kann. Zum Beispiel entfallen Aufwendungen für Büroräume, Equipment und Personalnebenkosten komplett.

Natürlich hängt der tatsächliche Preis vom Leistungsumfang ab: Bei Outsourcing-Verträgen werden je nach Anbieter unterschiedliche Preismodelle genutzt (pro Anruf, pro Stunde, Pauschalen für bestimmte Volumina usw.). Transparenz ist hier wichtig: ein seriöser Dienstleister legt klar offen, welche Kosten auf Sie zukommen.

Qualität, Kontrolle und weitere Überlegungen

Neben dem reinen Kostenvergleich spielen auch qualitative Faktoren eine Rolle:

  • Kontrolle über den Service: Gibt man den Kundenkontakt in fremde Hände, entsteht bei vielen Unternehmen zunächst Unsicherheit. Tatsächlich gibt man einen Teil der direkten Kontrolle ab, da die externen Agents im Namen Ihrer Firma sprechen. Die Lösung besteht darin, einen zuverlässigen Partner auszuwählen und klare Service-Level-Agreements (SLAs) festzulegen. Gute Outsourcing-Anbieter stimmen sich eng mit Ihnen ab, schulen ihre Mitarbeiter in Ihren Produkten und Unternehmensrichtlinien und berichten regelmäßig über die erbrachte Servicequalität. So behalten Sie dennoch Überblick und Einfluss.
  • Datensicherheit und Datenschutz: Beim Auslagern von Kundendaten und -gesprächen müssen höchste Datenschutzstandards eingehalten werden. Achten Sie darauf, dass der Dienstleister DSGVO-konform arbeitet und Sicherheitsmaßnahmen wie Verschlüsselung und Zugriffsbegrenzungen implementiert hat. Klare vertragliche Regelungen (Auftragsverarbeitungsvertrag) schaffen zusätzlich Vertrauen.
  • Sprach- und Kulturverständnis: Besonders wenn Outsourcing offshore erfolgt, können sprachliche oder kulturelle Barrieren entstehen. Kunden merken z. B., wenn ein Agent die Sprache nicht fließend spricht oder Anspielungen nicht versteht. Für den deutschsprachigen Service macht es oft Sinn auf lokale Anbieter zu setzen, um hohe Verständlichkeit sicherzustellen. Einige Unternehmen kombinieren auch: Standardanfragen werden offshore bearbeitet, komplexere Fälle von muttersprachlichen Teams.
  • Kundenerlebnis und Marke: Ihre Kunden sollten idealerweise keinen Unterschied merken, ob sie mit einem internen Mitarbeiter oder einem externen Agent sprechen. Dafür ist wichtig, dass der externe Dienstleister Ihre Marke und Produkte gut kennt. Investieren Sie Zeit in Wissensvermittlung: Product-Trainings, FAQs und ein enger Draht zum Team des Dienstleisters zahlen sich hier aus. Dann können externe Agents Ihre Firmenkultur und Tonalität repräsentieren, was die Kundenzufriedenheit hoch hält.

Fazit: Was ist 2026 die richtige Wahl?

Die Entscheidung Inhouse vs. Outsourcing im Kundenservice hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Kostenmäßig bietet Outsourcing in vielen Fällen Vorteile, insbesondere für kleinere Unternehmen oder solche mit schwankendem Anfragevolumen, da Sie fixe Personalkosten sparen und flexible Kapazitäten erhalten. Ein externer Partner verfügt über professionelle Infrastruktur und Erfahrung, was oft zu höherer Servicequalität bei geringeren Kosten führt.

Allerdings sollten Sie berücksichtigen, wie wichtig Ihnen direkte Kontrolle und unternehmensspezifisches Know-how sind. Unternehmen, deren Wettbewerbsvorteil gerade in besonders persönlichem Service liegt, könnten teilweise weiterhin auf eigene Mitarbeiter setzen wollen. Ein Mittelweg kann sein, hybride Modelle zu wählen – z. B. die Basis-Anfragen auszulagern, aber Schlüssel-Kunden oder komplexe Fälle intern zu betreuen.

2026 haben sich die Trends im Kundenservice weiterentwickelt: Kunden erwarten schnelle Reaktionszeiten, Verfügbarkeit über verschiedene Kanäle und kompetente Hilfe. Um das zu gewährleisten, ohne die Kosten explodieren zu lassen, ist Outsourcing für viele eine attraktive Option. Wichtig ist, einen Partner auf Augenhöhe zu finden, der als verlängerte Werkbank Ihres Unternehmens fungiert. Mit klaren Absprachen, regelmäßiger Kommunikation und Qualitätskontrollen kann ausgelagerter Kundenservice nahezu nahtlos in Ihr Geschäft integriert werden.

Letztlich gilt: Prüfen Sie die Optionen sorgfältig. Kalkulieren Sie durch, welche Kosten ein Inhouse-Team über die nächsten Jahre verursacht und vergleichen Sie dies mit Angeboten von Dienstleistern. Berücksichtigen Sie auch „weiche“ Faktoren wie Flexibilität und Zeitgewinn. In vielen Fällen zeigt sich, dass Outsourcing langfristig nicht nur Kosten spart, sondern auch Ihrem Team den Rücken frei hält, damit Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren können. So schaffen Sie die Grundlage für zufriedene Kunden und damit für nachhaltiges Wachstum.